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Artikel von Anna Rades (Jahrgangsstufe 11) zum Journalistenwettbewerb der young leaders GmbH

Zu Fuß, per Bahn, Bus oder mit dem Rad? Junge Leute machen sich Gedanken über die Mobilität der Zukunft.

Eins ist klar: Unser derzeitiges Mobilitätsverhalten kann so nicht weitergehen. Doch wie kann man die Mobilität der Zukunft nachhaltig gestalten? Auch für Jugendliche ist dieses Thema aktueller denn je.

 

Young Leaders – ein Forum des Austausch von Jugendlichen

Die Young Leaders Gmbh mit ihrem Sitz in Berlin fördert seit Jahrzehnten erfolgreich junge Menschen mit Führungskompetenzen und besonderem Engagement. Auf Veranstaltungen treten die engagierten Jugendlichen in Kontakt mit internationalen Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Hierbei sind namhafte Professoren, Wissenschaftler, Manager und Journalisten vertreten. In zahlreichen intensiven Diskussionsrunden, Hintergrundgesprächen und Workshops entwickeln die jungen Teilnehmer Lösungsansätze für aktuelle gesellschaftlich relevante Probleme, um die Zukunft selbst mitzugestalten.

Auf der 72. Young Leaders Akademie in Lingen (Ems) beschäftigten sich im August 2021 überaus engagierte Jugendliche mit relevanten Zukunftsthemen. Insbesondere die Themen Mobilität und Nachhaltigkeit wurden kontrovers diskutiert und kritisch beleuchtet. Doch wie lassen sich diese beiden Gesichtspunkte miteinander vereinen?

Allgemein beschreibt Mobilität die Überwindung von räumlich getrennten Aktivitäten. Unsere Entscheidungen, wie wir unser Ziel erreichen, werden strategisch oder taktisch getroffen. Unter strategisch getroffenen Entscheidungen versteht man beispielsweise die Wahl des Wohnortes oder die Entscheidung für bzw. gegen ein eigenes Automobil. Für taktische Entscheidungen sind die Überlegungen über die Fahrtdauer oder die Route beispielhaft. Der Trend zeigt eine allgemeine Verstädterung, also eine Urbanisierung. Bereits mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten. In Deutschland liegt 2020 der Anteil der Stadtbewohner an der Gesamtbevölkerung sogar bei 77,5 %, wobei diese Zahl zukünftig noch weiter steigen wird. Auch weiterhin zieht es mehr und mehr Menschen in die Stadtzentren. Folge dessen sind Wohnungsknappheit mit immer weiter steigenden Mietpreisen (in Stuttgart liegt der derzeitige Mietspiegel durchschnittlich bei 17,58 €/m2). Auch bezogen auf die Mobilität entstehen durch die Urbanisierung Probleme: Es herrscht immer mehr Verkehr auf den Straßen. Aufgabe der Zukunft ist es viel Verkehr in den Städten zu vermeiden. Die Verkehrsplanung muss also eine ausreichende Infrastruktur zur Verfügung stellen, um dem Problem der erhöhten Mobilität entgegenzuwirken. Die Mobilität besitzt dementsprechend einen hohen Einfluss auf die Städteplanung. Wie lassen sich jedoch neue Projekte in Zeiten von knappem Wohnraum realisieren? Auch den Klimawandel gilt es zu berücksichtigen, weswegen außerdem die CO2-Emissionen in der Zukunft reduziert werden sollen.

Als Teilnehmer der Young Leaders Akademie diskutierenten wir kontrovers Lösungsansätze und entwarfen verschiedene vorstellbare Zukunftsmodelle:

Zunächst sollte der Verkehr auf den Straßen reduziert werden. Hierfür könnte man den öffentlichen Nahverkehr weiter ausbauen und attraktiver gestalten. In Form von günstigeren Preisen oder einer höheren Zuverlässigkeit hinsichtlich der Fahrpläne sollen mehr Menschen dazu bewogen werden sich für den Bus oder die Bahn zu entscheiden, anstatt mit dem eigenen Auto in die Stadtzentren zu fahren. Dadurch könnte die allgemeine Zufriedenheit der ÖPNV-Nutzer gesteigert werden. Hierbei steht im Fokus den Individualverkehr zu vermeiden und stattdessen Verkehrsströme zu bündeln und zusammenzuschließen. Durch Anreize sollte also von dem individuellen Nutzungsverhalten auf eine sogenannten „Shared Mobility“, also eine geteilte Mobilität, umgestiegen werden. Es lässt sich bereits ein steigender bundesweiter Trend an Fahrten pro Einwohner verzeichnen: Während im Jahr 2008 durchschnittlich 129 Fahrten pro Einwohner mit den öffentlichen Verkehrsmitteln getätigt wurden, stieg die Anzahl der Fahrten durchschnittlich um +7% auf 138 Fahrten an.

Des Weiteren könnte der Verkehr durch eine verstärkte Nutzung von Homeoffice reduziert werden. Bereits in Zeiten der durch die Corona-Pandemie hervorgerufenen Lockdowns verzeichneten sich signifikant geringere CO2-Emissionen als im Vorjahr. Der Emissionsrückgang blieb jedoch nicht von Dauer, da sobald die Beschränkungen aufgehoben worden sind, die Emissionswerte wieder ihr gewöhnliches Niveau wie vor der Pandemie erreichten. Festzuhalten gilt jedoch, dass der Verkehr bzw. die Mobilität die größten Effekte auf die CO2-Emissionen erbringen. Für eine nachhaltige Zukunft gilt also eine Einsparung des Treibhausgases. Bereits durch die Nutzung des ÖPNV lassen sich die Treibhausgasemissionen einsparen. Einer durchschnittlichen Besetzung eines Linienbusses stehen 17 Pkw mit etwa 1,3 Personen/ Fahrzeug gegenüber. Mit der Nutzung des Linienbusses lassen sich dadurch 1,8 kg des schädlichen CO2 einsparen.

Ergänzend dazu- ergibt sich ein weiteres Zukunftsmodell, um unsere Mobilität in der Zukunft nachhaltig zu gestalten: Dieses umfasst klimaneutrale Kraftstoffe wie beispielsweise Biodiesel, Wasserstoff und Methanol. Zum einen würden dadurch die fossilen Energien nicht erschöpft werden, zum anderen gäbe es kaum Kraftstoffausstöße, weswegen Fahrverbote umgangen werden können. Problematisch sind hierbei jedoch sowohl die sehr komplexen Herstellungsanlagen als auch die hohen Investitions- und Umrüstungskosten, die die klimaneutralen Kraftstoffe erfordern.

Ein Ende der Autos mit fossilem Brennstoffantrieb ist absehbar, denn ab 2035 sollen Autos weder mit Diesel- noch mit Benzinantrieb von der EU zugelassen werden. Die E-Mobilität stellt mit ihrem grünen Antrieb eine emissionsfreie und attraktive Alternative dar. Aber ob die E-Mobilität das Problem der nachhaltigen Mobilität lösen kann ist fraglich, denn die Herstellung von Batterien ist sowohl ökologisch, als auch sozial, problematisch anzusehen. Auch die langen Ladezeiten, die begrenzte Reichweite und das bisher unzureichende Angebot an Ladestationen sind weitere Kritikpunkte der E-Mobilität.

Letztlich stellen effizientere Automobile eine weiteres Zukunftsmodell dar. Viel Potenzial steckt womöglich in der Zukunft des autonomen Fahrens. Durch die hohen Anforderungen an die Software,  der Datensicherung und der verschiedenen Sensoren kann der Verkehr auf den Straßen sicherer gestaltet werden, da die Anzahl an Unfällen stark reduziert werden könnte. Hierbei bleibt jedoch im seltengewordenen Einzelfall die Frage, wer bei einem Unfall die Verantwortung übernimmt. Trotz dessen ergibt sich durch ein ausgeklügeltes System von autonomer Mobilität eine bessere Verkehrsverteilung, denn auch der ÖPNV könnte hierbei miteingeschlossen werden. Dies würde außerdem zu günstigeren Fahrtpreisen führen, da keine Busfahrer mehr benötigt werden. Jetzt lässt sich argumentieren, dass durch autonomes Fahren Arbeitsplätze wegfallen, jedoch wäre das Gegenteil der Fall: In den Bereichen Technik und Elektronik entstünden viele neue Arbeitsplätze. Ein weiterer positiver Aspekt des autonomen Fahrens, der aus einem fließenden Verkehr ohne Stau folgt, wäre die Zeitersparnis auf den Verkehrswegen. Vor allem für Autofahrer an Verkehrsknotenpunkten wäre das sehr rentabel. Zurzeit stehen in München beispielsweise die Autofahrer durchschnittlich 65 Stunden im Jahr im Stau. Auch einen positiven ökonomischen Effekt würde das autonome Fahren mit sich bringen, wenn man die Staukosten von 559 Millionen Euro aus dem Jahr 2021 in Betracht zieht, welche durch autonomes Fahren gesenkt werden können. Hierdurch würden ländliche Gebiete mit längerer Anfahrt in die Stadtgebiete wieder attraktiver werden, weswegen ein Rückgang der Urbanisierung möglich wäre. Diese Neuverteilung des Wohnraumes zwischen Stadt und Land könnte gleichzeitig auch eine Lösung der Wohnungsknappheit in den Stadtzentren sein.

Nichts desto trotz bleiben viele Fragen, was die zukünftige Mobilität und deren Umsetzung anbelangt, offen. Es bleibt also abzuwarten, welcher Weg von Seiten der Politik und der Wirtschaft eingeschlagen wird. Diese bilden zwar die nötigen Rahmenbedingungen für die Zukunft. Jeder einzelne kann jedoch ein kleines Stück dazu beitragen: Einfach einmal das Auto gegen das Fahrrad oder den ÖPNV eintauschen und dadurch einen kleinen Beitrag für die Umwelt leisten. Denn jeder noch so kleine Schritt ist ein Schritt in eine nachhaltigere Zukunft.

 

Sich für die Zukunft einbringen und diese gemeinsam mit anderen engagierten Jugendlichen mitzugestalten, genau darum geht es bei Young Leaders. Young Leaders bietet eine tolle Gelegenheit mit Menschen im gleichen Alter in Kontakt zu treten und über gesellschaftlich relevante Themen zu diskutieren. Internationale Referenten aus Politik, Wirtschaft, Naturwissenschaft, Medien und Philosophie bildeten ein vielfältiges Programm. Genau deshalb habe ich neugierig an der Akademie-Woche teilgenommen und habe viele neue Eindrücke und lehrreiche Erfahrungen gesammelt. Aufgewachsen im Großraum Stuttgart, im Herzen der Automobilindustrie, interessiert mich vor allem die Mobilität heute und in der Zukunft.

 

Quellen

Anna Rades