Der Europatag am FLG – diesmal etwas anders

Anlässlich des Europatags am 27.4.2020 sollte der Landtagsabgeordnete der Grünen-Fraktion Jürgen Walter das Friedrich-List-Gymnasium Asperg besuchen, um mit den drei zehnten Klassen ins Gespräch zu kommen und die Fragen der Schülerinnen und Schüler zu seiner politischen Arbeit zu beantworten. Angesichts der aktuellen Pandemie-Situation fand die Veranstaltung dieses Jahr allerdings in etwas anderer Form statt, nämlich als Videokonferenz. Durch die Nutzung des digitalen Kommunikationswegs war es möglich, den eigentlich landesweit abgesagten Europatag am FLG dennoch in gewinnbringender Form durchzuführen.

Alle drei zehnten Klassen hatten sich bereits im Vorfeld mit bestimmten Themenkomplexen auseinandergesetzt und sich zu ihrem Thema Fragen überlegt, die sie Herrn Walter stellen wollten. Am Beginn der Konferenz stand aber als Einstieg zunächst eine Frage, die alle Schüler*innen sehr interessiert hatte: Warum wird man politisch aktiv? Herr Walter erläuterte daraufhin, dass er früh „umweltbewegt“ gewesen sei und sich seit der Parteigründung bei den Grünen engagiert habe. Seine politische Aktivität resultiere insbesondere aus dem Bewusstsein, etwas für die Umwelt bewirken zu müssen, und dem Kampf gegen die atomare Nachrüstung in den 1980er Jahren.

Den Anfang bei den themenspezifischen Fragerunden machte die Klasse 10b mit dem Bereich der Arbeit im Landtag. Dabei ging es nicht nur um den typischen Arbeitsalltag eines Landtagsabgeordneten und die Frage nach dem Informationsfluss zwischen Fraktions- und Ausschussmitgliedern, sondern auch darum, wie mit Konflikten innerhalb der Partei und mit anderen Parteien umgegangen werde. Herr Walter betonte hier, dass der parteiinterne Umgang miteinander „sehr gesittet“ verlaufe, man tausche Argumente aus und beuge sich Mehrheitsentscheidungen. Zwischen den Parteien herrsche zweifelsohne ein Wettstreit, aber es wäre aus seiner Sicht sehr wünschenswert, wenn man sich nach Auseinandersetzungen noch „die Hand geben“ könne. In der zweiten themenspezifischen Fragerunde beschäftigte sich die Klasse 10c mit den Bereichen des Umwelt- und Klimaschutzes sowie der Migration, insbesondere auch unter Bezugnahme auf die europäische Ebene. Auf die Frage, was die EU in Sachen Klimaschutz besser machen könne und ob es überhaupt denkbar sei, die Klimaziele für das Jahr 2050 zu erreichen, meinte Herr Walter, dass dies schwer zu beantworten sei, da dies von verschiedenen Faktoren abhängig sei. Man müsse wissenschaftlichen Erkenntnissen stärker vertrauen und Phänomene wie Hitzetote im Sommer gedanklich mit dem Klimawandel in Verbindung bringen. Es bestehe aber in jedem Fall noch Hoffnung, da laut wissenschaftlichen Erkenntnissen noch zehn Jahre Zeit bliebe, um umzusteuern. Den Abschluss dieses thematischen Komplexes bildete eine Frage zur Migration: Was sei wichtiger: Eine europäische Regelung zur Verteilung der Flüchtenden in der EU oder die Bekämpfung der Fluchtursachen? Herr Walter bezog hier dahingehend Stellung, dass beide Aspekte wichtig seien. Die Menschen wollten nicht per se nach Europa, sondern zu Hause in Frieden leben und eine Chance haben. Der Klimaschutz könne auch als Bekämpfung von Fluchtursachen gewertet werden. Wichtig sei es, humanitär zu denken.

Im dritten Themenbereich beschäftigte sich die Klasse 10a mit der Arbeit außerhalb des Landtags, v.a. in den Gebieten Kunst, Kultur, Sport sowie regionalen Aspekten rund um Asperg. Auf die erste Frage, welche Projekte in Asperg er besonders unterstützen würde, antwortete Herr Walter dahingehend, dass es besonders wichtig sei, ein tragfähiges Radwegekonzept zu entwickeln, um überall sicher Radfahren zu können. Weiterhin müsse Asperg fit für den Klimawandel gemacht werden; es solle mehr begrünte Flächen in der Stadt geben. Als die Schüler*innen wissen wollten, welches Kulturprojekt im am wichtigsten sei, wollte Herr Walter sich nicht auf ein Projekt festlegen, denn es „gibt zu viele Projekte, an denen mein Herz hängt“. Wichtig sei es, in der Krise möglichst viele Kulturschaffende zu unterstützen und nach der Krise möglichst viele Kulturveranstaltungen zu besuchen.

Das Gespräch mit Herrn Walter fand trotz der ungewohnten Umstände in einer sehr angenehmen Atmosphäre statt. Die Schüler*innen konnten Einblick in viele verschiedene Facetten der Tätigkeit eines Politikers sowie auch in unterschiedliche Aspekte des Politischen gewinnen. Wir danken Herrn Walter für seine Bereitschaft, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, seine kritischen Statements und offenen Antworten.