Arbeitstreffen im Urlaubsparadies

Die EU wächst und wächst: Ab dem 1. Mai 2004 treten weitere 10 Staaten der Gemeinschaft bei. Unter diesen Ländern befindet sich auch die geteilte Mittelmeerinsel Zypern, die wir von der Comenius-Projekt-AG vom 22.-29. März 2004 sozusagen "vorab" besuchen durften.

Bild entfernt. Nachdem wir im Oktober letzten Jahres Schüler und Lehrer aus den europäischen Partnerländern Zypern, Spanien und Portugal zu einem Arbeitstreffen in Asperg begrüßen durften, stand nun das dritte Treffen dieser Art in Limassol an. Für uns deutsche Schülerinnen und Schüler, die an dem von der EU geförderten Comenius-Projekt mit dem Thema "Archaeologia Nostra" teilnehmen, sowie die beiden Leiterinnen der AG, Elke Steigertahl und Diana Bente, begann die Reise ins "Urlaubsparadies" Zypern früh am Morgen des 22. März vom Flughafen Leinfelden-Echterdingen.

Dreieinhalb Stunden Flug und eine Stunde Zeitverschiebung später konnten wir dann am Flughafen in Larnaka von unseren Gastfamilien empfangen werden. Da neben dem Austausch von Arbeitsergebnissen vor allem das Kennenlernen anderer Kulturen und der persönliche Kontakt zentrale Anliegen eines solchen Treffen sind, wohnten wir während des einwöchigen Aufenthalts auf der Mittelmeerinsel in zypriotischen Gastfamilien, was uns die Möglichkeit eröffnete, das dortige Alltagsleben "live" mitzuerleben und die scheinbar grenzenlose Gastfreundschaft der Zyprioten zu genießen.

Bild entfernt. Andererseits hieß dies aber auch, dass wir mit unseren Partnern - wie zu Hause - zur Schule gehen mussten. Obwohl wir vom Unterricht eigentlich nichts verstanden, da dieser auf griechisch stattfand, war es trotzdem interessant zu sehen, was Schule in anderen Ländern bedeutet und dass es auch in diesem Bereich große Unterschiede gibt. Außerdem lernten wir auf diese Weise neben dem Apostles Peter und Paul Lyceum sehr viele andere zypriotische Schüler kennen, die uns alle genauso freundlich aufnahmen wie unsere Partner. Neben uns vier Deutschen waren sonst nur noch drei portugiesische Schüler anwesend, da dieses Mal leider keine spanischen Schüler anreisen konnten, was dem "European Spirit" jedoch keinen Abbruch tat. Nachdem wir uns am späten Montagnachmittag erst einmal im traumhaft warmen Limassol im wahrsten Sinne des Wortes akklimatisieren mussten, begann unser eigentliches Programm am Dienstag nach Ende des Unterrichts: Zuerst besuchten wir den "Time Elevator", eine Multimediashow über die Geschichte Zyperns, dann die Festung von Limassol, wo sich der berühmte englische König Richard Löwenherz einst vermählt haben soll. Diese ganzen geschichtlichen Eindrücke mussten dann noch bei einem Bummel durch die Innenstadt Limassols "verdaut" werden. Am Mittwochvormittag fand das erste gemeinsame Arbeitstreffen von Lehrern und Schülern in der Schule statt, bei dem über den Stand der Arbeit am Projekt berichtet wurde. Danach durften wir dem offiziellen und durchaus sehr patriotischen Festakt der Schule anlässlich des griechischen Nationalfeiertags am 25. März beiwohnen, der in Zypern ebenso gefeiert wird, da sich die Zyprioten im Südteil der Insel eigentlich als Griechen sehen. So bekamen wir auch einen Eindruck, warum sich die Verhandlungen über die Wiedervereinigung Zyperns so schwierig gestalten. Dank des Feiertags, der überall mit Militärparaden begangen wurde, war am Donnerstag für alle schulfrei, so dass wir auf unsere erste große Exkursion nach Paphos gehen konnten. Zunächst besuchten wir das griechisch-römische Theater von Kurion, welches das zentrale Thema der Projektarbeit der zypriotischen Gruppe darstellt.

Bild entfernt. Danach machten wir einen kurzen Zwischenstopp am legendären Geburtsort der Aphrodite, wo diese der Sage nach den Meeresfluten entstiegen sein soll. Unser nächstes Ziel war das Haus des Dionysos in Paphos. Dieses dem Gott des Weines gewidmete Haus beeindruckt durch eine große Anzahl von antiken Mosaiken, auf denen bekannte Gestalten der griechischen Mythologie dargestellt sind. Nachdem wir diese bestaunt hatten, besuchten wir noch die Königsgräber, ein unterirdisches System von Grabkammern, das sich über mehrere Kilometer hinweg erstreckt und ebenso wie das Haus des Dionysos zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Dieser sehr anstrengenden Tag, der uns den kulturellen Reichtum Zyperns deutlich machte, war für uns "Hobbyarchäologen" sicherlich einer der vielen Höhepunkte auf dieser Reise. Zeit zum Ausruhen gab es jedoch so gut wie keine, denn am nächsten Morgen fand schon wieder das nächste Arbeitstreffen statt, bei dem wir uns nach zweistündiger Beratung auf die Aufgaben für das laufende Projektjahr verständigten: Als Resultat soll ein europäisches Brettspiel zum Thema "Die Römer" entstehen, an dem jede Schule ein Viertel gestaltet. Direkt im Anschluss an dieses Treffen ging es dann weiter nach Lefkara, einer idyllischen Stadt in den Bergen, die vor allem durch ihre Spitzen und Silberarbeiten, die einst schon Leonardo da Vinci bestaunte, bekannt ist. Am Samstag stand die zweite ganztägige Exkursion an: Der Besuch der einzigen noch geteilten Hauptstadt der Welt: Nikosia. Zunächst besuchten wir das Zypernmuseum, welches das archäologische Erbe der Insel beheimatet. Die beeindruckende Sammlung von Originalwerken, die vom 8. Jahrtausend v.Ch. bis in die Antike reicht, verlieh den gehörten geschichtlichen Fakten ein Gesicht. Doch wahrscheinlich noch beeindruckender für uns war der Blick aus dem 11. Stock des Woolworth-Towers auf die von Blauhelmsoldaten bewachte UN-Demarkationslinie, die Nikosia in einen türkischen und einen griechischen Teil trennt. Dieser Anblick war sicherlich einer der eher nachdenklicheren Momente während unseres Aufenthalt in Zypern. Am Abend hatte der Direktor des Apostles Peter und Paul Lyceum noch zur offiziellen Abschiedsfeier geladen, mit der das Arbeitstreffen seinen förmlichen Schluss fand. Da die Portugiesen bereits am Sonntagmorgen abreisten, stand der Sonntag den Schülern zur freien Verfügung, während die Lehrer nochmals eine Exkursion nach Lania unternahmen. Unsere zypriotischen Partner ließen sich jedoch zusätzlich zum offiziellen Programm noch weitere zahllose Aktivitäten, die von Kino über den Besuch eines Fußballspiels bis hin zu einer original zypriotischen Geburtstagsfeier reichten, einfallen, so dass es uns niemals langweilig wurde und wir lernten, was "The Cypriot Way of Life" bedeutet.

Bild entfernt. Der wirklich tolle Aufenthalt auf der Mittelmeerinsel hatte auf diese Weise aber keinerlei Elemente eines erholsamen Urlaubs aufzuweisen, was man wohl erwartet hätte. So waren wir am Montag, als es leider schon wieder - wie immer - viel zu früh Zeit zum Abschiednehmen war, zwar alle sehr erschöpft, was aber den tollen Erlebnisse dieser fantastischen Woche nicht den geringsten Abbruch tat. Niemand wird diese europäische Woche und die dabei gewonnen Eindrücke wohl jemals vergessen. Deshalb möchten wir uns auch an dieser Stelle ganz herzlich bei unseren Leiterinnen Elke Steigertahl und Diana Bente bedanken, ohne deren Planung und unermüdlichen Einsatz uns all dies gar nicht möglich gewesen wäre.

Nils Hirsch