Schüleraustausch mit Schweden

Im Jahre 2003 fand der erste einwöchige Austausch des FLGs mit einer schwedischen Partnerschule dem Prins Wilhelm Gymnasium in Flen, statt.

In die Wege geleitet wurde dieser Austausch, unter anderem mit der Absicht, die Rolle von Englisch als Verständigungssprache bewusst zu machen, von Herr Scheuer, der neben Frau Mergner auch Begleitlehrer war. So kam es dann, dass wir, nachdem einige E-Mails gewechselt worden waren, in der Nacht des 26.04 unsere schwedischen Austauschpartner erstmals in voller Größe sahen.

Schon diese Woche, in der wir zusammen München mit einer englischsprachigen Stadtführung genossen, einen typisch deutschen 1.Mai feierten und viel anderes erlebten, ließ die im Vorfeld zu überwindenden Mühen und Anstrengungen deutlich in den Hintergrund treten. Aber das für uns Schönste stand uns ja erst noch bevor.

Am 16.05.2003 nämlich machten wir uns auf den Weg in die noch fast unbewohnte Wildnis von Sörmland, nach Schweden. Unsere Exkursion begann um 14.30 Uhr mit der Abfahrt in Richtung Hahn, wo wir uns in ein hochmodernes Flugzeug von Ryan Air begaben. Schon aus der Luft eröffnete sich für uns eine völlig neue und verblüffende schwedische Welt, die mit unzähligen Seen und Wäldern geschmückt war. In dem kleinen Flughafen von Skavsta wurden wir von unseren zehn schwedischen Austauschschülern bereits sehnsüchtig erwartet. Nach kurzer Begrüßung begaben wir uns auch schon auf den Weg durch die Wildnis Schwedens direkt in die heimatlichen Holzpaläste der Gastfamilien, wo wir freundlich empfangen und eingewiesen wurden. Während sich einige von uns nach dem anstrengenden Tag zu Bett begaben, machten sich andere direkt auf den Weg zur ersten Party, wo man sofort mit dem schwedischen Humor und den schwedischen Sitten vertraut gemacht wurde.

Der folgende Tag war das erste große Highlight unseres Aufenthaltes im südlichen Skandinavien. Schon am frühen Morgen brachen wir, von Elchrufen geweckt, zu einem eintägigen Abenteuer auf den Seen Schwedens auf. Nach der Einweisung zum Gebrauch des Kanus begaben wir uns ohne Begleitung der Lehrer mit reichlich Proviant, Übernachtungsutensilien, schlechtem Wetter, aber dafür umso besserer Laune auf den Weg in unbekannte Territorien. Als wir uns nach langer Kanufahrt auf einer der vielen kleinen Inseln neben den Vögeln eingenistet hatten, schlugen wir unsere Zelte auf. Im Laufe des Tages lernten wir die schwedische Natur in vollen Zügen kennen. Nachdem uns während der Essensaufnahme eine Möwe die nötige Würze zu unserem Gegrillten verpasste, kämpfte unser mutiger Ingo ohne die Mithilfe seiner lachend um ihn herum stehenden deutschen Kollegen gegen eine verbissen angreifende schwedische Schlange weit ab von unserem Camp. Des weiteren entpuppte sich für uns der See mit seinen 6°C als eine weitere Herausforderung, der sich nur unser zweiter mutiger Mann, also called Patrick, stellte. Die restliche Zeit des Tages verbrachten wir mit Holzhacken, Überlebenstraining, Fußball und Kanuabenteuerregatten. Ausklingen ließen wir den Tag am wärmenden Lagerfeuer unter Vollmond.

Als wir am nächsten Tag, wieder mit unseren Kanus, den Heimweg antraten, hatten wir viele imposante Erlebnisse mit der außergewöhnlich beeindruckenden schwedischen Natur in Erinnerung. Bevor wir uns wieder zu unseren Gastfamilien gesellten, gaben wir unsere Kanus sauber geputzt am Anlegeplatz ab. Den Nachmittag verbrachten die meisten von uns damit, den verpassten Schlaf nachzuholen, worauf wir am Abend gemeinsam Pizza aßen und beim internationalen Basketballspiel den Gastgebern vergebens Paroli zu bieten versuchten.
Dass uns dies nicht ganz gelang, war allerdings keine Schande, da sich in den Reihen der Schweden auch ein staatlich anerkannter Taekwon-do Profi mit dem Namen Alexander der Große befand, unter dessen gewaltigen Sprüngen das ganze Feld erbebte.

Die Erlebnisse überschlugen sich, und am nächsten Tag war bereits der Besuch Stockholms an der Reihe. Die schwedische Hauptstadt zeichnet sich durch ihre Lebhaftigkeit und ihre reiche Anzahl vielfältiger Geschäfte aus. Zunächst stand der Besuch des bekannten Wasamuseums auf dem Programm. Es wurde speziell für die "Wasa" gebaut, einem riesigen Segelschiff, das wegen einer Fehlkonstruktion schon auf der Jungfernfahrt noch im Hafenbereich sank und erst vor wenigen Jahrzehnten wieder gehoben und konserviert wurde. Mit einer innerstädtischen Fähre fuhren wir dann zu einem Stadtquiz in die Altstadt, wo wir Zeugen einer Parade der schwedischen Armee wurden. Die Zeit danach verbrachten wir mit Bummeln und Einkaufen, um unsere Geldbeutel von schwedischen Kronen zu entlasten. Als wir um ca. 20.00 Uhr nach Hause kamen, waren wir froh darüber, uns wieder in den schönen ruhigen Wäldern zu befinden.

Am Dienstag folgten wir den Schweden zu unserem ersten Schultag, allerdings ohne Schultüte. Nach der Englischstunde mit Mika, dem schwedischen Begleitlehrer, freuten wir uns auf den Besuch im Rathaus. Unsere unzähligen Fragen wurden fix beantwortet, und durch unseren unbändigen Wissensdurst hatten wir uns ein in Flen hergestelltes Langnese-Eis redlich verdient. Darauf begaben wir uns wieder in die Schule, um die Unterrichtsmethoden und die moderne Schulbauweise genau zu studieren. Das Unterrichtsgeschehen war uns vollkommen neu, und wir waren überrascht darüber, welch offenes und freundschaftliches Verhältnis die schwedischen Schüler zu den Lehrern pflegen. Nachdem wir innerhalb des Schulsportes einen Waldlauf und ein faires Fußballspiel absolviert hatten, gingen wir wieder zurück zu unseren Holzpalästen. Während einige zum Tennisspielen gingen, wurden andere Zeugen des oben genannten Taekwon-do Profis, der durch das Durchschlagen von Brettern, natürlich erst nach womöglich schmerzhaften Fehlschlägen, eine gute Stimmung heraufbeschwor.
Anschließend machten sich einige auf den Weg zum nächsten Hallenbad, wo sie den Abend in der Sauna oder beim Wasserballspielen beendeten.

Am folgenden Tag machten wir im Schloss Gripsholm am Mälarsee eine Zeitreise zurück ins Mittelalter. Interessant war neben den architektonischen Besonderheiten und dem Schlosstheater die Dauerausstellung alter und moderner Porträts von schwedischen Prominenten. Anschließend besuchten wir Harpsund, die bevorzugte Ferienresidenz der schwedischen Ministerpräsidenten und Schauplatz vieler Staatsbesuche.
An diesem Abend war der Abiball einiger Schweden, an dem wir leider nicht teilnehmen durften, aber die Anfahrt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in exquisiten Autos und großer Garderobe beobachten konnten. Erwähnenswert ist auch, dass der Ball auf einem Schloss stattfand und es viel feierlicher als hierzulande zugeht. Der Großteil unserer Gruppe verbrachte den Abend bei gemeinsamem Bowling,

Der letzte Tage unserer unvergesslichen Schwedenreise begann mit einem Wiener Walzer in der Sporthalle und ging in ein La Cross Spiel über. Daraufhin führten unsere Lehrer uns zu sämtlichen Deutschkursen der Schule, wo wir den 12-14 jährigen Schülern die deutsche Grammatik verständlich machten. Diese Gelegenheit nutzte Herr Scheuer, um den schwedischen Schülern die deutsche Disziplin auf eine komödiantenhafte und satirische Weise darzustellen. Am Vorabend der Abreise gab uns die schwedische Schulband ein Gratiskonzert. Nach dieser tollen Darbietung schauten sich die meisten Schüler das Ölbrennballspiel der schwedischen Abiturienten an, was eine Abwandlung des deutschen Brennball unter Alkoholeinfluss ist. Den Abend beendeten wir mit unserer letzten Party.

So schnell wir in Schweden ankamen, war unser Aufenthalt auch schon wieder zu Ende. Nachdem wir unsere Koffer gepackt und uns von unseren Gastfamilien getrennt hatten, traten wir die traurige Heimreise mit der Erinnerung an eine unvergessene Zeit im hohen Norden an.

Zu guter Letzt bleibt es uns noch, uns bei unseren Begleitlehrern Herrn Scheuer und Frau Mergner zu bedanken, die durch ihr toll ausgearbeitetes Programm, ihr großes Engagement und ihr freundschaftliches Verhältnis zu uns diesen Schwedenaustausch prägten. Das einzig Enttäuschende an unserem Aufenthalt war, dass sich kein Elch die Mühe machte, sich uns zu zeigen!

Für die nachfolgenden Jahrgänge ist noch anzumerken, dass sich während dieses Austausches der Umgang mit der englischen Sprache bei allen Schülern verbesserte.

Martin, Martin, Patrick, Stefan