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SaS am FLG

SaS am FLG

Unser Projekt Listopolis

Vom 17. bis 19. Juli 2002 fand am FLG das Planspiel "Schule als Staat" statt. "Schule als Staat" war ein großes Gemeinschaftsprojekt, bei dem Schüler und Lehrer das Wagnis eingingen, als gleichberechtigte Bürger zusammen zu arbeiten und zu leben.

Schon zu Beginn des Schuljahres erarbeitete eine Verfassungsgruppe die rechtlichen Grundlagen für das zukünftige Staatsgebilde. Andere Gruppen machten sich Gedanken über das Wirtschaftssystem und mögliche kulturelle Events.
Auf Grundlage der Verfassung gründeten sich dann verschiedene Parteien (AADP, MAD, Basic, Party Partei), die um die Gunst der Wähler warben.

Parallel dazu wurden Wettbewerbe initiiert, bei denen der Name des Staates, Namen und Design der Währung, Staatsflagge und -hymne gefunden werden sollten. So war bald klar, dass man im zukünftigen Staat "Listopolis" mit "Listar" und "Listling" zahlen würde.

Nach einem phasenweise heißen, aber z.T. auch sehr fantasievollen Wahlkampf, stimmten dann alle zukünftigen Bürgerinnen und Bürger bei einer zentralen Veranstaltung am 25. April in geheimer Wahl über die Sitzverteilung im Parlament und den Staatspräsidenten ab. Ebenso wurde ein unabhängiges Gremium von Richtern gewählt.

Parlament und Regierung stellten dann die weiteren Weichen für die Entwicklung des Staates. (Dabei wurde mehr als einmal deutlich, wie schwierig Demokratie auch sein kann, wie viele Diskussionen und Kompromisse sie erfordert.) Das Wirtschaftssystem musste festgelegt, ein Strafgesetzbuch verabschiedet werden, Betriebsgründungen wurden vorbereitet, Arbeitsplätze verteilt. In Listopolis sollte jeder einen Arbeitsplatz finden. Fragen der inneren und äußeren Sicherheit waren zu klären. Die Währung musste möglichst fälschungssicher gedruckt werden, Bestell-Listen mussten ausgefüllt und entziffert werden, die benötigten Waren und Vorräte wurden eingekauft ...

Es gab für alle Verantwortlichen sehr viel zu organisieren und zu tun, bis der Staat am 17. Juli mit einer symbolischen Schlüsselübergabe feierlich eröffnet werden konnte.
Bürgerinnen und Bürger, aber auch Besucher, die mit einem Visum versehen einreisten, fanden ein breites Angebot an Dienstleistungen und Geschäften vor.
So konnten Briefe und Telegramme auf dem Postweg versendet werden, die Möglichkeit auf dem Standesamt zu heiraten, wurde von vielen genutzt. Eine Fahrrad- und Autowaschfirma erlebte großen Zuspruch. Wer nach der jeweils vereinbarten Arbeitszeit ausspannen wollte, konnte dies z.B. im Kosmetik- und Massagesalon, aber auch bei einer Meditation in der Kirche von Listopolis tun.
Kinos und Computerspiele versprachen ebenfalls Abwechslung, wie auch diverse Cafes, Bars und Diskotheken. Süßwarenläden, ein Blumenladen und die Papierschöpfwerkstatt boten ihre Produkte zum Kauf an. Wer wollte, konnte sich weiterbilden und Sprachunterricht nehmen.
Auch für sportliche Aktivitäten war gesorgt. Neben dem staatlichen Streetballturnier gab es die Möglichkeit, sich beim Jazztanz zu betätigen oder auf dem Schulhof Tennis zu spielen und sein Können beim abschließenden Turnier unter Beweis zu stellen. Ein Höhepunkt des Kulturprogramms war die Wahl zu Miss und Mister Listopolis, bei der Schülerinnen und Schüler ihren Charme und die Fülle ihre Phantasie zeigen konnten und damit Begeisterungsstürme bei den Zuschauern und der Jury entfachten. Staatsbesuche der Bürgermeister von Asperg und Tamm sowie von Delegationen anderer Schulen bereicherten das Programm. Zwei unterschiedliche Zeitungen kommentierten das Tagesgeschehen.
Das Parlament tagte regelmäßig jeden Vormittag, kurzfristig musste aber auch schon einmal eine Krisensitzung einberufen werden, um anstehende Probleme gemeinsam mit der Regierung zu lösen. Polizei und Gericht gingen ihren Aufgaben nach. Die staatliche Müllabfuhr sorgte am Abend dafür, dass jeder die Straßen und Plätze am nächsten Morgen wieder in tadellosem Zustand vorfand.

So lebendig und heiter die Tage auch waren, so gab es (natürlich!) auch Engpässe und Pannen, die sich jedoch mit vereinten Kräften und gutem Willen zum Glück immer wieder beheben ließen. Und somit war "Schule als Staat" für uns ein Wagnis, das sich gelohnt hat.
Es hat sich gelohnt, weil Schüler und Schülerinnen unterschiedlichsten Alters miteinander ins Gespräch kamen und zusammen etwas auf die Beine stellen konnten. Lehrer lernten Verantwortung abzugeben und Schüler übernahmen Verantwortung. Begabungen und Fähigkeiten traten bei Schülern und Lehrern ans Tageslicht, die im normalen Schulalltag so nicht auftauchen. Konflikte unterschiedlichster Art wurden auf friedliche Weise gelöst. So mancher Frust wurde durchgestanden und manchmal half nur noch Humor und ein Lachen ...
Aufs Ganze gesehen war "Schule als Staat" für uns ein gelungenes Projekt, weil "Demokratie" nicht nur ein Punkt im Lehrplan geblieben ist, sondern für viele zumindest ein Stück weit konkret erfahrbar wurde.
Herzlichen Dank allen, die dazu beigetragen haben!

Nach Abzug aller Unkosten und Rückzahlung der von allen Bürgerinnen und Bürgern geleisteten Anschubfinanzierung in Höhe von 10 Euro, hat das Projekt zudem einen Gewinn von ca. 1.800 Euro erwirtschaftet.
Dieser Gewinn geht zu zwei Dritteln an die SMV, ein Drittel kommt der Asociation del cinio in Guatemala City zugute, einer Organisation, die sich um die Ernährung und Schulbildung von Kindern kümmert, die auf den Müllhalden der Stadt leben.



Im Namen der SMV:
Fiona Poorman (Schülersprecherin), Renate Stiefel (Verbindungslehrerin)

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